Freitag, 27. September 2013

Hilfe, es ist Gruppe-Saison!


Seit einiger Zeit gibt es unter jungen Müttern einen Hype, nämlich die Facebook-Gruppe.
Es wird sich gleich in einem ganzen Dutzend davon angemeldet, um ja nicht unter kurzweiligem "Bore-Out" zu leiden. Der Eindruck entsteht, dass sich da eine Menge ziemlich verrückter & einsamer Hausmütterchen herumtreiben. Ich war bis vor Kurzem eine von gefühlt dreihundertfünfzigtausend.

Worum geht es in den Gruppen?
Nur noch ein Bruchteil handelt von akribisch geplanten Abi-Jubiläumsfeiern, das meiste dreht sich - wie in der Welt fast alles - ums goldene Kalb, pardon: Kind. Flotte Karrieremamas und übermüdete Hausmütterchen haben hier eines gemeinsam: Das Kind ist oftmals ihr neuestes Ausstellungsobjekt. Während mir die ganze Zeit im Hinterkopf spukte, dass Facebook sowieso nur dazu da sei, sein neuestes Auto im exotischsten Winkel der Welt zu präsentieren, ist es immer öfter das Kind, das für die arme Mama, mit einem 60-Euro-Fummel aus Dänemark bestückt, auf ein Foto muß, für das dann mehrere "Likes" geerntet werden. Wer eine "Gegen-die-Masse-Meinung" vertritt oder behauptet, das Kind würde traurig dreinschauen, fliegt raus (so in etwa widerfuhr es mir mehrfach).

Mit der Zeit hatte ich längst Blut geleckt. Auch ich habe meine beiden Kinder in teuren Fummeln abgelichtet, hauptsächlich, um hobbysoziologische Feldforschung zu betreiben (die wahrscheinlich niemand bemerkt, da ich garnicht "vom Fach" bin). Dass ich kurz darauf über Frauen stolperte, die mich mit Freude beleidigten, beschimpften, nur aus dem Grund, dass ich bisweilen aneckte, machte mich wütend und verzweifelt. Das kannte ich bereits aus anderen Lebensbereichen, in denen sich hauptsächlich Frauen herumtreiben.
Mein Mann bedachte diese Situation mit einem Kommentar, den ich bis heute nicht vergesse: "Eine einzelne Frau ist prima. Aber mehrere davon auf einem Haufen?"

Über die Gründe, weshalb diese Frauen sich abend für abend "in ihrer Gruppe" Bestätigung einholen, über eine falsch etikettierte Babyhose oder bei ebay nicht angegebenes Pilling auf der Kinderoutdoorjacke stundenlang diskutieren, mag ich nur spekulieren. Zum Teil sehe ich es schmerzlich selbst: Einsamkeit aufgrund immer höher werdender Mobilität (wieviele Frauen leben von ihrer Herkunftsfamilie meilenweit entfernt), oberflächlicher Kontakt durch "Non-face-to-face" - Kommunikation, steigende Arbeitsbelastung durch eine immer größer werdende Finanznot sowie die einfach kaum zu ertragende Unvereinbarkeit von Familie mit einem einträglichen Familieneinkommen.....

Solidarität habe ich allerdings in mindestens demgleichen Maße erfahren. Immer mal wieder nette Menschen, die einem den Rücken stärkten, erfreuten mich, dass ich sie sogleich virtuell in die Arme schloß. Mindestens zwei von ihnen haben mich so verletzt, dass ich mich kaum noch auf Internetbekannstchaften und aufs Internet allgemein einlassen will. Und vielleicht hat das ein Gutes. Denn im Internet muß man vor allem eins sein: fehlerfrei. Und das kann und will ich nicht sein.